Jahrzehntelang war China eine der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften der Welt. Zwischen 1991 und 2011 wuchs sie jährlich um 10,5 Prozent. Nach 2012, als Xi Jinping Präsident wurde, verlangsamte sich das Wachstum, lag aber im Jahrzehnt bis 2021 immer noch bei durchschnittlich 6,7 Prozent. Trotzdem ging es mit der Konjunktur schrittweise bergab. Bis die vermutlichen härtesten Corona-Maßnahmen die Wirtschaft fast zum Erliegen brachten.

Schwacher Immobiliensektor zieht China stark runter

Von diesem Punkt aus mag sich das Reich der Mitte nur schwer erholen. Trotz massiver Zuschüsse durch die Regierung, bleibt das Wirtschaftswachstum weiterhin schwach. Verantwortlich dafür sind eine Korrektur im angeschlagenen Immobiliensektor in Verbindung mit einem demografischen Rückgang.

Auch hinsichtlich der längerfristigen Aussichten ist der „Internationale Währungsfonds (IWF) düsterer geworden. Im November hieß es, man erwarte, dass die Wachstumsrate Chinas im Jahr 2023 immer hin noch 5,4 Prozent erreichen werde. Maßgebend sein hierbei eine schwache Produktivität bis hin zu einer alternden Bevölkerung. Bis 2028 soll das Wachstum auf 3,5 Prozent zurückgehen. Die erhoffte rasche Erholung der Konjunktur scheint somit für die nächsten Jahre auszubleiben.

5-Prozent-Ziel für 2023 noch realistisch

Doch trotz ihrer vielen Probleme – wie einer Immobilienkrise, schwachen Ausgaben und hoher Jugendarbeitslosigkeit – gehen die meisten Ökonomen davon aus, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in diesem Jahr ihr offizielles Wachstumsziel von etwa 5 Prozent erreichen wird.

Aber das liege immer noch unter dem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von über 6 Prozent im Jahrzehnt vor der Covid-Pandemie. Und das Jahr 2024 sehe immer bedrohlicher aus, warnt der IWF. Dem Land könnte danach eine jahrzehntelange Stagnation bevorstehen. Für Anleger im chinesischen Sektor ist dies eine ernstzunehmende Warnung, da sich hier eine längere Durststrecke entwickeln könnte.

„Die Herausforderung für die chinesische Wirtschaft im Jahr 2024 wird nicht das BIP-Wachstum sein – das wird wahrscheinlich über 4,5 Prozent liegen“, sagte Derek Scissors, Senior Fellow am American Enterprise Institute.  „Die Herausforderung wird sein, dass die einzige Richtung von dort nach unten führt.“

Ohne große Marktreformen könnte das Land in dem stecken bleiben, was Ökonomen als „Falle des mittleren Einkommens“ bezeichnen. Er bezog sich dabei auf die Vorstellung, dass Schwellenländer schnell aus der Armut herauswachsen, nur um dann in der Falle zu landen, bevor sie den Status eines hohen Einkommens erreichen.

Chinas Führung deutete in diesem Monat an, dass sie die fiskalische und monetäre Unterstützung für die Wirtschaft verstärken wird. Beamte haben sogar versprochen, die „Wirtschaftspropaganda“ und die „Beratung der öffentlichen Meinung“ zu verstärken, um das Vertrauen zu stärken.