Abseits der USA und Europa, werfen viele Anleger gern einen Blick nach China. Das „Reich der Mitte“ bot einige Jahre ein starkes Wirtschaftswachstum im zweistelligen Bereich. Doch mit Einsetzen der Corona-Krise ist die robuste Konjunktur Geschichte. Bis zuletzt stützte die Regierung in Peking ihre Wirtschaft noch mit Finanzspritzen. Darauf verzichtet die Politik nun aber und gleichzeitig bestehen mehrere Krisen. Plus ein sich androhender Konflikt mit Taiwan, den Investoren nicht außer Acht lassen sollten.
Lockdowns, Lieferprobleme & Immobilien-Blase
Die größten Auswirkungen auf die Wirtschaft haben wohl die harten Corona-Maßnahmen. Obwohl vielerorts gescheitert, klammert sich Peking immer noch an seiner No-Covid-Politik fest. Diverse Regionen wurden oder sind noch streng abgeriegelt. Harsche Kontrollen sollen eine Ausbreitung vom Virus möglichst gut verhindern. Auf Kosten der Konjunktur, welche nach offiziellen Angaben in 2022 immerhin noch um 5,5 Prozent wachsen soll.
Ob dies tatsächlich gelingt, darf stark angezweifelt werden. Lieferengpässe sowie Produktionsausfälle sind eng mit den harten Lockdowns verbunden. Peking ist sich dessen bewusst und visiert deshalb ein so geringes Wirtschaftswachstum wie seit einigen Jahrzehnten nicht mehr an. Um seine Ziele stets sehr genau zu erreichen, hat die chinesische Regierung finanzielle Unterstützung angewendet, falls nötig. Die aktuelle Prognose versteht sich nun jedoch als bestmögliches Szenario in punkto BIP (Bruttoinlandsprodukt). Es könnte demnach auch geringer ausfallen.
Ein versprochenes BIP einhalten zu können, ist nun nicht mehr das oberste Gebot. Stattdessen soll an der Null-Covid-Strategie festgehalten werden. Ganz gleich, was dies für wirtschaftliche Folgen haben dürfte. Präsident Xi Jingping setzt sich verstärkt für die Gesundheit seiner Bevölkerung ein und nimmt dafür ein Ausbremsen des Wirtschaftsmotors in Kauf.
Parallel dazu sieht sich China mit einer geplatzten Immobilienblase konfrontiert. Hier rächt sich das viele billige Geld, welches die Notenbank ausgab. So ließ sich die Konjunktur künstlich ankurbeln und nicht wenige Verbraucher nutzten die Gelegenheit, um sich Wohneigentum zu finanzieren. Doch die Auftragslage ist im Juli stark eingebrochen. Ein Teil der Immobilienkonzerne gilt nun als hoch verschuldet und die Arbeit auf vielen Baustellen steht still.
Das dritte Problem besteht in der negativen Haltung bei den Investoren sowie Konsumenten. Chinesische Waren und Dienstleistungen sind nicht mehr so gefragt wie früher. Was auch der hohen Inflation in den Vereinigten Staaten und Europa geschuldet ist.
China hat Taiwan im Visier
Als wären diese Probleme nicht schon genug, beginnt China mit dem politischen Säbelrasseln gegenüber Taiwan. Vermutlich würde die Regierung den eigenständigen Inselstaat nur zu gern übernehmen. Doch Taiwan hat ganz andere Pläne und die USA fühlen sich involviert. Die S-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi stattet der Insel in diesen Tagen einen Besuch ab. China hatte vor dieser Einmischung gewarnt, weil es sehr gefährlich für die Vereinigten Staaten sei.
Prompt schickte Peking einige Kampfjets in die Luft und kündigte zudem Schießübungen auf dem Meer an. Bislang wirkt dies nur wie ein Spiel mit den militärischen Muskeln. Doch könnte sich China ein Beispiel an Russland und der Ukraine nehmen. Anlegern raten wir deshalb zur erhöhten Aufmerksamkeit, falls sie dennoch im Reich der Mitte in Aktien investieren möchten.