Ein Bullenmarkt, welcher auf Gewinnen beruht, ist weitaus solider als einer, der auf der Stimmung der Anleger reitet. Der aktuelle Markt scheint eher stimmungsgetrieben zu sein und das bringt die Bullen auf wackelige Beine. Tatsache ist: Wäre der S&P 500 in den letzten fünf Jahren im gleichen Tempo wie der Gewinn pro Aktie gestiegen, läge der Vergleichsindex unter 4.500 – also etwa 25 % niedriger als momentan.
Verschiedene Ansätze führen zu ähnlichen Ergebnissen
Ob Unternehmensgewinne oder die Anlegerstimmung den Markt antreiben, hängt teilweise vom Zeitrahmen ab, in dem eine Analyse durchgeführt wird. David Rosenberg, Gründer und Präsident von Rosenberg Research, berechnete die relativen Rollen von Gewinnen und Stimmung über einen Zeitraum von einem Jahr. „Wir haben in den Vereinigten Staaten eine Situation, in der der Aktienmarkt im vergangenen Jahr um 41 Prozent und die Gewinne um vier Prozent gestiegen sind“, sagte er gegenüber Bloomberg. Ohne die Steigerung der Gewinnmultiplikatoren im vergangenen Jahr läge der S&P 500 bei etwa 4.600, meint Rosenberg.
Eine weitere Quelle der Mehrdeutigkeit bei der Untersuchung der Gewinne des Bullenmarktes ist die Wahl, wie man Gewinne definiert. Man könnte sich beispielsweise auf die Gewinne der letzten 12 Monate konzentrieren, wie Rosenberg, oder auf die Gewinne der nächsten 12 Monate. Oder, wie im Fall des zyklisch bereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnisses CAPE (das von Robert Shiller von der Yale University verfochten wird), auf die inflationsbereinigten Gewinne der letzten 10 Jahre. Unabhängig vom Ansatz sind die Schlussfolgerungen weitgehend derzeit dieselben.
Interessante Faktor Zinssatz
Die Anfälligkeit des Aktienmarkts ist tatsächlich sogar noch größer, denn das typische Muster besteht darin, dass die Gewinnmultiplikatoren fallen, wenn die Zinssätze steigen, und umgekehrt. Dennoch ist die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen heute mehr als doppelt so hoch wie vor fünf Jahren.
Anders ausgedrückt: Der Bullenmarkt stünde auf viel solideren Beinen, wenn die Zinsen stetig gesunken wären, während die Gewinnmultiplikatoren in den letzten fünf Jahren stetig gestiegen sind. Die Tatsache, dass dies nicht der Fall ist, erhöht die Anfälligkeit des Aktienmarktes nur, da der Bullenmarkt so stark von steigenden KGVs abhängig war.