Theoretisch könnten wir uns Autofahrer jetzt freuen. Dank der niedrigen Ölpreise verbilligen sich Benzin und Diesel merklich. Doch kaum jemand benötigt in Zeiten von Covid-19 eine Tankstelle. Größtenteils bleiben die Fahrzeuge zu Hause stehen. Tausende Menschen wurden in Kurzarbeit geschickt, verloren ihren Job oder arbeiten im Home Office. Auf den Straßen herrscht gähnende Leere und somit auch an den Zapfsäulen.

Corona setzt Ölpreise mächtig unter Druck

Auch ohne das Virus hatten die Ölpreise in den vergangenen Monaten zu kämpfen. Bislang initiierte Förderbremsen brachten nicht den gewünschten Erfolg. Jetzt steht der Verkehr auf den Straßen nahezu still. Der PKW wird nur zum Einkaufen und für Fahrten zum Arzt verwendet. Fernbusse bewegen sich gar nicht mehr und Flugzeuge werden ebenso gemieden.

Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet mit einem massiven Einbruch der Einkaufspreise für das „schwarze Gold“. Das aktuelle Jahr dürfte eine gesunkene Nachfrage um 9,3 Millionen Barrel am Tag erzielen. So geht es aus dem monatlichen Bericht hervor, welcher pünktlich aus Paris kam. Eine starke Einschränkung der Mobilität hat eben ihre Folgen.

Keiner begibt sich mehr in den Urlaub und Geschäftsreisen werden weitestgehend in Videokonferenzen umgewandelt. Weil jetzt im April das Corona-Virus die Welt fest im Griff hat, dürfte es der schwerste Monat von allen werden. Erst ab Mai ist wieder mit Lockerungen zu rechnen. Laut der IEA dürfte die tägliche Förderung von Rohöl im April mit dem Stand von 1995 gleichziehen.

Besserung in der zweiten Jahreshälfte erwartet

Der Preis für ein Fass vom West Texas Intermediate (WTI) fiel heute unter die Marke von 20 US-Dollar. Womit das Niveau von 2002 erreicht ist. Viel weiter nach unten gehen kann er nicht. Zumal gerade die USA ihre Lager voll hat und das Fracking sehr kostenintensiv ist.

Das dritte Quartal dürfte, sofern das Corona-Virus weiter auf dem Rückmarsch sein sollte, dann wieder eine leichte Besserung verzeichnen. Allerdings geht die IEA davon aus, dass selbst im Dezember immer noch weniger gefördert wird als im Vorjahr.