Schon jetzt ist zu sehen, dass der Fokus allein aufs Kerngeschäft bei vielen Tech-Konzernen nicht mehr ausreicht. Immer häufiger erfolgt die Expansion in neue Geschäftsbereiche, an die zu Beginn niemand gedacht hätte. Steckt wahre Innovationslust dahinter oder geht es um den Versuch, die Umsätze sowie Gewinne mit allen Mitteln zu steigern? Das Marktumfeld hat sich definitiv verschärft. Ergänzend dazu kommen so manche Krisen, die für Aktionäre schwer zu verdauen sind.
Tech-Aktien zählen meist zu Wachstumsunternehmen
Anleger die auf Technologieunternehmen setzen, rechnen mit einer Rendite durch stetiges Wachstum. Doch das hat seine Grenzen. Sogenannte Value-Aktien bedeuten hingegen, dass die Unternehmen bereits starke, konstante Gewinne erzielen. Sie mögen nicht mehr so stark wachsen, stehen dafür bei Krisen sicherer in ihren Bilanzen.
Die aktuellen Quartalszahlen der Tech-Aktien spiegeln genau das wieder. Sie alle stehen seit einigen Monaten unter enormen Druck. Der Meta-Konzern, die Muttergesellschaft von Facebook, hat seit Jahresbeginn etwa 65% an Wert verloren. Bei Alphabet (Google) sieht es mit minus 31% aktuell nicht besser aus. Selbst Internetgigant Amazon musste kräftig Federn lassen (-42%). Wenn diese Unternehmen zumindest eine konstante Dividende ausschütten würden, wäre dies für Investoren noch halbwegs zu verkraften.
Doch auch bei Microsoft und Apple, die Dividenden auszahlen, sieht es nicht viel besser aus. Auch deren Wertpapieren stehen seit Jahresanfang (year to date = YTD) in den roten Zahlen. Natürlich stellt dies nur eine Momentaufnahme dar. Für Anleger mit einem Horizont von 15+ Jahren ist dies nicht zwingend ein sofortiger Verkaufsgrund. Es stellt sich nur die Frage, wie viel Luft für die Tech-Konzerne nach oben besteht und wie sie dieses theoretische Potential ausschöpfen wollen?
Sparmaßnahmen & Expansionspläne
Eine übliche Maßnahme in solchen Situationen ist der Stellenabbau im großen Stil. So gab Facebook bzw. Meta heute bekannt, dass in naher Zukunft 11.000 Jobs gestrichen werden. Was ungefähr 13 Prozent der gesamten Belegschaft entspricht. Das Personalwesen ist in jedem Unternehmen eine der größten Kostenpunkte. Einsparungen an dieser Stelle führen zwangsläufig zu höheren Gewinnen, sofern der Umsatz sein Niveau hält.
Um die Erlöse wiederum anzukurbeln, braucht es mehr Verkäufe, Nutzer o.Ä. Facebook verdient in erster Linie an seinen Werbekunden, danach mit der Gewinnung von Datensätzen. Amazon wiederum setzt auf Umsätze aus dem Verkauf von Produkten sowie Dienstleistungen. Wenn das Potential bestehender Nutzer/Kunden erschöpft ist, gelingt eine weitere Umsatzsteigerung durch Expansion.
Inwiefern Technologieunternehmen derzeit zu einer solchen bereit sind, bleibt abzuwarten. Steigende Zinsen und Energiekosten, die hohe Inflation sowie geopolitische Krisen sprechen momentan vielfach für einen zurückhaltenden Expansionskurs.