Die internationale Wirtschaft muss sich auf wieder steigende Ölpreise einstellen. Insbesondere in Europa dürfte dies bald eintreten. Dafür sprechen gleich zwei gute Gründe. Zum einen wird Russland durch neue Sanktionen unter Druck gesetzt. Schlimmstenfalls kommt von dort gar kein Rohöl mehr in jene Länder, welche den Ölpreisdeckel mittragen. Außerdem hat die Opec+ verkündet, ihre Förderkürzungen vorerst nicht zu lockern.
Öl-Export-Verbot für Russland in die EU
Seit heute unterliegt Russland weiteren Sanktionen durch die EU sowie G7-Staaten. Sie zielen konkret auf den Öl-Markt ab. Ab sofort greift eine Einfuhrbeschränkung und es wurde ein Ölpreisdeckel beschlossen. Dadurch soll die Russische Föderation unter Druck geraten und zu Verhandlungen im Ukraine-Krieg gebracht werden. Die Antwort darauf kam prompt: Russland wird sich trotzdem nicht beugen und seinen Feldzug in der Ukraine fortsetzen.
Genau genommen darf nun kein russisches Rohöl mehr in die Europäische Union exportiert werden. Allerdings können die Mitgliedsstaaten vorerst von einer Ausnahmeregelung Gebrauch machen. Jedoch gilt hierfür eine Übergangsfrist. Bis dahin müssen sich Nutzer der Ausnahmeregelung um Alternativen kümmern.
Deutschland wird diese Sonderregel in Anspruch nehmen, aber voraussichtlich nur bis Ende des Jahres. Ungarn, Tschechien und die Slowakei noch keinen Zeitpunkt für den Ausstieg beim russischen Erdöl genannt haben. Alle anderen der 27 Mitgliedsstaaten setzen das Öl-Embargo mit sofortiger Wirkung durch.
Parallel dazu ist Russland dazu verpflichtet, pro Barrel Rohöl höchstens 60 US-Dollar zu verlangen. Was ein ganzes Stück weniger als die aktuell gehandelten Preise ist.
Opec+ behält Förderkürzungen bei
In der Opec+ haben sich 23 Länder zur Abstimmung für die zu fördernde Ölmenge vereint. Die neueste Aussage besteht darin, dass alle Teilnehmer an den bestenden Förderkürzungen festhalten. Damit wolle man den Ölpreis weiterhin stabilisieren und bestenfalls wieder Aufschwung verleihen. In der jüngsten Videokonferenz wurde die Ungewissheit deutlich, wie sich alles rund um Russland entwickeln werde.
Seit November 2022 gilt eine Drosselung um zwei Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Fortan werde man die Strategie und ihre Auswirkungen alle zwei Monate neu bewerten. Die Entscheidungen der Opec+ verfehlen ihre Tragweite nie. Etwa 40 Prozent des geförderten Rohöls weltweit geht auf das Konto der Mitglieder.
Aus den zwei genannten Gründen dürften die Preise an den Zapfsäulen bald wieder steigen. Außerdem ist zu befürchten, dass die ohnehin hohe Inflation nur schwer auf ein gesundes Niveau sinken wird. Zumindest kurzfristig schmälern sich damit die Aussichten, von denen sehr viele Branchen direkt betroffen sind.